14.Mai – Aktionen gegen Naziaufmarsch in Salzwedel

Naziaufmarsch in Salzwedel nach intensiven Protesten extrem verkürzt und umgeleitet!

Für den 14.Mai 2011 hatten die „Freien Nationalisten Altmark West“ und das „Infoportal Burg“ zu einem Naziaufmarsch in Salzwedel aufgerufen. Thematisiert wurde der internationale Tag der Befreiung, der 8.Mai 1945. Das “einfallsreiche“ Thema des Aufmarsches lautete: „8.Mai – wir feiern nicht!“

Bereits im Vorfeld bildete sich ein breites Bündnis bestehend aus Gewerkschaften, Parteien, Vereinen, Antifa-Gruppen und Einzelpersonen. Die antifaschistische Mobilisierung wurde getragen vom Autonomen Zentrum Salzwedel „Kim-Hubert“ und der Antifaschistischen Aktion Salzwedel [AAS]. Bereits in der Woche zuvor stand fest, dass die Nazis auf großen Widerstand und heftigen Protest treffen würden.

Den Nazis schien das wohl klar geworden zu sein und so ließen sie ihren Frust bereits in der Nacht vom 11.Mai auf den 12.Mai 2011 am AZ „Kim Hubert“ aus, indem sie 4 Molotowcocktails gegen die Fassade des Hauses warfen. Verletzte gab es glücklicherweise nicht und auch der Sachschaden blieb gering. Damit war jedoch klar, dass der 14.Mai 2011 kein x-beliebiger Tag in Salzwedel werden würde.
Allen Einschüchterungsversuchen zum Trotz waren gegen 11.00Uhr schon zahlreiche Gegendemonstranten in Kleingruppen in der Innenstadt unterwegs. Die Nazis sammelten sich ab 11.30Uhr auf dem Parkplatz des alten Nettomarktes (Nähe Bahnhof). Das erste Zeichen setzten 30 Antifas bereits gegen 11.45Uhr, als sie lautstark und mit Bengalos plötzlich rund 10m vor dem Treff der Nazis auftauchten. Leider gab es hierbei eine Verhaftung auf Antifaseite zu beklagen. Doch nun war auch dem letzten Nazi und Bullen klar, dass sie keinen ruhigen Tag erwarten konnten. Kurz danach nahm dann auch das geplante Konzept der Straßenblockaden erste Formen an. Alle drei möglichen Routen der Nazis waren durch kleinere Sitzblockaden blockiert. In der Goethestraße, der geplanten Hauptroute, sammelten sich ca. 100 Antifas und es entstanden sogar erste Barrikaden aus Mülltonnen und Paletten. Trotzdem entschied sich die Einsatzleitung der Polizei, die mittlerweile rund 150 Nazis in Richtung Goethestraße loslaufen zu lassen. Jedoch kam der Demozug bereits nach 80 Metern zum Stehen. Am Eingang der Goethestraße befanden sich weiterhin rund 100 Antifas und Barrikaden auf der Straße. 200m hinter der ersten Blockade befanden sich weitere 250 Antifaschisten und blockierten erfolgreich mit Barrikaden die Straße. Nachdem man auch der dritten Aufforderung der Polizei, die Straße frei zu machen, nicht folgte, wurden die rund 100 Gegendemonstranten am Eingang der Goethestraße von den Bullen eingekesselt und die Räumung sollte beginnen. Als die Polizei merkte, dass die Räumung zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, entschied sich die Einsatzleitung gemeinsam mit den Nazis, eine andere Route einzuschlagen. Der Demozug sollte nun entlang der Karl-Marx-Straße laufen. Sofort setzten sich mehrere hundert Menschen, von der größeren Blockade, in Bewegung, um die Nazidemo erneut zu stören. Während die rund 100 Antifas im Bullenkessel weiterhin grundlos festgehalten wurden. Unserer Meinung nach ist es ein Skandal, dass die Nazis an einem angemeldeten Infostand der Jugendarbeit in Salzwedel vorbeiziehen durften, während im Vorfeld der Veranstaltung jegliche Anmeldungen von Gegendemonstranten an der Naziroute verboten wurden. Aufgrund dieser Entscheidung konnten die Nazis 300m relativ ungehindert laufen, ehe sie wieder für kurze Zeit, aufgrund einer Gruppe Antifas stoppen mussten. Als klar wurde, dass die Nazis nun über die Kreuzung Südbockhorn/Nordbockhorn laufen würden, machten sich rund 200 Antifas auf den Weg dorthin und blockierten diese ungehindert. Nach kurzer Zeit bewiesen die Bullen dann auch dort ihr “Können“ und knüppelten heftig in die bis dahin friedlichen Blockierer. Durch dieses brutale und unmenschliche Verhalten brachen sie einem 12.jährigen Jungen das Bein. Daraufhin eskalierte die Situation. Überall im Innenstadtbereich waren nun Gruppen vermummter Antifas zu sehen, die versuchten auf die Naziroute zu gelangen. Und auch die Bullen, welche sich den gesamten Tag über ordentlich daneben benahmen, bekamen nun den Zorn und die Wut der aufgebrachten Antifas zu spüren. An der Schwimmhalle in der Karl-Marx-Straße, an welcher die Nazis nun fast wieder angekommen waren, griffen rund 70 Antifas die Bullen mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen direkt an, nachdem ein übermotivierter Bulle mit seinem Einsatzfahrzeug mit hohem Tempo fast in eine Personengruppe fuhr. Überall im Stadtgebiet krachte es nun. Böller waren zu hören und bengalische Fackeln flogen durch die Luft. Die Nazis, welche noch eine Kundgebung in der Karl-Marx-Straße durchführten, waren nun wieder an ihrem Startpunkt, dem alten Nettomarkt, angekommen und beendeten die Demonstration. Bei den Versuchen die Nazis zu blockieren und auf die Straßen zu gelangen, gingen mehrere Scheiben an Einsatzfahrzeugen und Autos von der Zivilpolizei zu Bruch.

Am Abend blieb es in der Stadt und am AZ Kim-Hubert weites gehend ruhig!

Fazit: Aufgrund der durchgeführten Demonstration, sehen sich die Nazis selbst, als die Sieger des Tages. Doch aus unserer Sicht können wir den 14.Mai definitiv als einen erfolgreichen Tag werten. Da sich mehrere hundert Antifaschisten im gesamten Stadtgebiet an direkten Aktionen, Sitzblockaden und Informationsveranstaltungen gegen den Naziaufmarsch beteiligten. Den Nazis war es lediglich möglich eine sehr stark verkürzte und weniger öffentlichkeitswirksame Route zu laufen.
Wir, die Antifaschistische Aktion Salzwedel, üben jedoch starke Kritik an der Polizei, welche mit ihrem eskalierenden Verhalten schwere Verletzungen von Demonstranten billigend in Kauf nahm und so den Naziaufmarsch nur mit Gewalt durchsetzen konnte.

Wir werden es weiterhin nicht hinnehmen das Nazis in unserer, noch in irgendeiner anderen Stadt, marschieren und kündigen auch für die Zukunft Widerstand gegen jegliche Formen von rechten Veranstaltungen an.

Für linke Freiräume – Gegen rechten Lifestyle!

Antifaschistische Aktion Salzwedel [AAS]